Eier Mit Speck 2013

Friede, Freude, Rührei.
Passender könnte das Motto des diesjährigen Eier mit Speck Festivals eigentlich gar nicht gewesen sein.
Ein kleines, gemütliches Festival bei Viersen mit einem fantastischen Lineup und genau so tollem Publikum.
Von Legenden des Punk-Rocks über beschauliche Töne einer Akustikgitarre und schwedischem Reggae war alles dabei. Das fast schon legendäre Frühstück – Rührei und Speck, was auch sonst – durfte da natürlich nicht fehlen. Kombiniert mit wunderschönem Sommerwetter und ausgelassener Stimmung ist es kein Wunder, dass auch die achte Ausgabe des Festivals wie in den Jahren zuvor wieder ausverkauft war.

 

Eigentlich war es eine ziemlich spontane Entscheidung dem Eier mit Speck endlich mal einen Besuch abzustatten. Das hatte allerdings zur Folge, dass ich Freitag noch Arbeiten musste und erst am frühen Abend in Viersen ankam.
„Ist das wirklich so klein?“ war wohl der erste Gedanke, der mir beim ersten Blick auf die Campingplätze in den Sinn kam.
Die Antwort auf diese Frage lautet ja. Etwa 5000 Besucher aller Altersklassen campierten Verteilt auf drei Campingplätzen. Tatsächlich habe ich noch nie ein so gemischtes Publikum erlebt. Kleinkinder mit riesigen Kopfhörern (ja sogar Säuglinge), betrunkene (oder auch nicht so betrunkene) Teenager, Studenten und sogar die 50+ Generation – alle genossen ein gemeinsames Festivalwochenende in Viersen.

Dank meiner etwas verspäteten Ankunft verpasste ich leider einige Bands, doch mit Heavens Basement begann dann auch für mich das Festival. Die Herren aus der UK beschreiben ihre Musik selber als British Hard Rock. Ob das wirklich die passendste Beschreibung ist – ich weiß es nicht. Aber es ist laut, hart, schnell und das wichtigste: Es klingt auch noch ausgesprochen gut. Das scheint auch den meisten Festivalbesuchern zu gehen, die die Band schnell in ihren Bann ziehen kann.

Großstadtgeflüster habe ich ausgelassen, da Elektro nicht unbedingt mein Fall ist, dafür ging es dann aber mit Ugly Kid Joe weiter. Mit ihrem Song „I Hate Everything About You“ hatte die Band es im Jahre 1992 sogar auf Platz 11 der deutschen Charts geschafft. Mitte der 90er Jahre hatten sie sich aufgelöst, doch jetzt sind sie wieder zurück auf den Bühnen der Welt.
Die Erwartungen an die Band waren hoch, vielleicht etwas zu hoch. Der Alternative/Punk Mix der Band klingt nicht schlecht und die Band hat sich bemüht eine gute Show zu zeigen, aber wirklich überzeugen konnte der Auftritt leider nicht. Es blieb ständig das Gefühl, dass etwas fehlte, dass im Laufe der Songs das Tempo endlich einmal erhöht wird, doch es passierte nichts. Eine solider Auftritt, aber keinesfalls ein herausragender.

Ugly Kid Joe verlassen die Bühne und so langsam steigt die Spannung.
Das Wunder, denn der Headliner des heutigen Tages ist kein anderer als Marky Ramone’s Blitzkrieg.
Marky Ramone ist vor allem bekannt als der langjährige Drummer der legndären Ramones, einer der wichtigsten und einflussreichsten Punkbands überhaupt.
Die Ramones gibt es schon seit vielen Jahren nicht mehr, aber ehemalige Ramonesmitglieder, die deren Songs live performen sind ohne Frage ein würdiger Ersatz.
Nach einem fast schon dramatischen (und vermutlich auch etwas zu langen Intro geht es dann endlich los). Zunächst mit dem Meister persönlich, der den ultimativen ersten „Hey ho lets go!“ Chor anstimmt, und dann folgt ein kurzer, schneller Punk Song auf den nächsten. Es wird gepogt, gesungen (oder eher auch:gegröhlt) und die Ramones Klassiker folgen Schlag auf Schlag. So muss das sein. Und das Gefühl, diese Songs endlich einmal Live erleben zu dürfen, ist tatsächlich ein ganz besonderes.
Neben guter Musik gibt es aber noch mehr auf der Bühne zu sehen. Ganz in Rockstar Manier springt Marky mitten im Song auf, tritt einen gesamten Turm aus Verstärkern um (der übrigens doch ziemlich hoch war), setzt sich wieder hin und spielt weiter, als wäre nichts passiert.
Nach gut einer Stunde verlässt die Band die Bühne wieder, aber nur, um mindestens genau so energiegeladen zur Zugabe zurückzukommen, wie sie die Bühne auch verlassen haben. Das Publikum hat die kurze Pause genutzt um wieder ein wenig zu Atem zu kommen und steigt natürlich noch einmal voll ein. Auf den ersten Zugabenblock folgt noch ein zweiter (war das jetzt wirklich nötig?). Der Versuch einen erneuten „hey ho lets go“ Chor zu starten scheitert dieses Mal leider. Dafür beenden Marky Ramone und seine Band das Set mit dem Song, der vermutlich der Ramones Hit schlechthin ist – Blitzkrieg Bob.
Vielen Dank, Marky Ramones Blitzkrieg. Es war ein Fest.

 

 

Tag 2 – Samstag

Gibt es etwas schöneres, als von gefühlten 50°C im Zelt geweckt zu werden?
Der Samstag morgen begann mindestens genau so heiß, wie der letzte Abend geendet hatte. Macht aber nichts, dafür gab es wenigstens noch den vom Wetterbericht versprochenen Starkregen, inklusive sturmartigen Windböen und Gewitter.
Die zuvor noch diskutierte Frage, wer jetzt eigentlich neues Wasser für unsere beiden Planschbecken holt, hat sich damit immerhin erledigt – das übernimmt jetzt der Regen für uns.
In unserem Camp bleibt zum Glück alles stehen, andere scheinen da nicht so viel Glück zu haben. Obwohl der Anblick, wie 6 Leute an einem Pavillion hängen um ihn vom weg fliegen abzuhalten, schon interessant ist…
Pünktlich zum obligatorischen Frühstück um 12 Uhr auf dem Festivalgelände regnete es leider immer noch.
Also, Gummistiefel an und ab aufs Festivalgelände – kostenloses Rührei und Kaffee sollte man sich schließlich nicht entgehen lassen.

Dank des Wetters war Jay Farmer die erste Band die ich mir an diesem Tag ansah. Obwohl Band es wohl nicht ganz trifft – ein DJ und ein Rapper.
Es wird schnell klar: Der Typ ist der schlechteste Texter, den ich jemals gehört habe (da kann selbst ein Grundschulkind bessere Reime schreiben) und die Musik ist gelinde gesagt grausam. Also verbringen wir lieber noch eine Stunde auf dem Campingplatz.

Weiter ging es dann mit Leaf. Die Truppe spielt eine Mischung aus Alternative und Post-Hardcore. Das klangt zwar nicht schlecht, rief aber auch keine Begeisterungsstürme herbei. Dafür hatte fast jeder zweite Festivalbesucher am Ende des Sets einen „Call Me Mabye“ Aufkleber auf dem T-Shirt, dem Hut oder der nackten Brust kleben. Passenderweise beendeten Leaf ihren Auftritt auch mit einem Cover des Songs, der in Gebrüllt mindestens genau so gut klingt wie das Original.

Nach einer kurzen Erholungspause auf dem Campingplatz waren dann Das Pack dran. Die Band besteht nur aus zwei Mitgliedern, einem Gitarristen und einem Schlagzeuger, die Punk-Rock mit eigentlich ziemlich sinnlosen, aber höchst unterhaltsamen Texten spielen. Auf der Platte klingt das ganze schon super, aber live wussten die beiden erst recht zu überzeugen. Es wird gepogt, auf der Bühne steht ein „Papst“ (ein Backhandschuh der Großmutter und ein Mantel können eine ausgezeichnete Verkleidung sein!) und spätestens als die Band das gesamte Publikum dazu bringt „Pferdeapfel, mjam, mjam, mjam, mjam, mjam“ zu singen, und dazu den passenden Tanz zu tanzen ist klar: Die beiden wissen, wie man das Publikum begeistert.

Auf die Band die darauf folgte, hatte ich mich eigentlich auch sehr gefreut. Aber bei gefühlten (und auch tatsächlichen 40°C) war nach 45 Minuten pogen erst einmal eine Pause angesagt, weshalb wir es uns auf dem Boden im Schatten bequem machten, um Pipes And Pints zu mindestens anzuhören. Der Name klingt schon nach Dudelsack, und genau das ist es auch, was die Band spielt: Punk Rock kombiniert mit einem Dudelsack. Bei dieser Kombination ist gute Stimmung und eine fantastische Liveshow schon vorprogrammiert. Und die Tschechen wussten zu überzeugen. Auch wenn wir die Band selber von unserem Schattenplatz aus nicht sehen konnten, wir könnten sie hören und hatten auch noch einen ausgezeichneten Blick auf das Publikum. Klingen tat das ganze auf jeden Fall ausgesprochen gut. Und wenn man die tanzenden Menschen betrachtete, ging das vielen anderen genau so. Eine energiegeladenen Band und tanzfreudiges Publikum – das Set war ohne Frage ein voller Erfolg.

Die sommerlichen Temperaturen zwingen uns letztendlich dazu, eine längere Pause auf dem Campingplatz einzulegen. Im Schatten unter dem Sonnensegel und mit den Füßen im Planschbecken ließ es sich schon besser leben als in der prallen Sonne vor der Bühne. Dafür ging es dann ausgeruht und wieder voller Energie zum Co-Headliner Hoffmaestro. Die aus Schweden stammende Band spielt eine Mischung aus Reggae und Ska, eine Kombination, schon von Anfang an versprach, dass diese Band wohl ein Highlight des Wochenendes werden würde.
Als die Band die Bühne betrat schlich sich zu aller erst die Frage „Wie viele sind das da eigentlich“ in meine Gedanken. Denn die Bühne war voll von Musikern an den verschiedensten Instrumenten. Eine kurze Recherche im Nachhinein brachte Licht ins dunkle: Es sind insgesamt elf Musiker. Eine beachtliche Zahl, die mindestens genau so beachtliches leisteten. Die Musik ist unglaublich tanzbar, und nach einigen Startschwierigkeiten begriff das auch die Masse vor der Bühne. Das der immer noch leicht schlammige Boden fast so rutschig wie Eis war, rückte glücklicherweise schnell in Vergessenheit. Schon schnell war klar: Diese Band war vermutlich das Highlight des ganzen Festivals!

Der Headliner an diesem Tag wurde im Vorfeld bereits groß angekündigt. Turbonegro zeichnen sich vor allem durch eine sehr große, und perfekt durchorganisierte Fangemeinschaft, die Turbojugend aus. Diese waren an dem Wochenende nicht zu übersehen – die obligatorischen Jeansjacken dürfen bei ihnen schließlich nicht fehlen.
Dementsprechend hoch waren auch die Erwartungen. Doch gerade im Vergleich zu Hoffmaestro war diese Band eine absolute Enttäuschung. Nach drei Lieder hätte man eigentlich wieder gehen können, wirkliche Abwechslung gab es auch in den nächsten 60 Minuten auch nicht mehr, letztendlich klangen sämtliche Songs mehr oder weniger gleich.
Das schien auch vielen anderen Besuchern zu gehen. Als die Band die Bühne verließ, waren vielleicht noch halb so viele Menschen auf dem Gelände, wie zu beginn des Sets.
Das einzige Interessante an dieser sonst absolut enttäuschenden Show war die Bühnenkleidung der Band und der „Happy Birthday“ Chor für eines der Bandmitglieder, der an diesem Tag Geburtstag hatte.

Tag 3 – Sonntag

Der dritte und (leider auch letzte) Festivaltag begann glücklicherweise mit etwas angenehmeren Temperaturen als der Vortag.
Auf dem Campingplatz herrschte bereits Abreisestimmung, und die Mehrheit der Besucher war bereits damit beschäftigt, ihre Zelte abzubauen und Müll zu sammeln, um tatsächlich einen Prall gefüllten Müllbeutel abliefern zu können.

Liebe Veranstalter, bitte überdenkt dieses System für das nächste Jahr. Wenn nur prallgefüllte Müllbeutel gegen das Müllpfand getauscht werden können, dann führt das unweigerlich zu Streit um den Müll auf dem Campingplatz. Aus dem einfachen Grund, weil besonders größere Gruppen über das Wochenende ein bis zwei Beutel füllen, für den Rest aber leider nichts mehr übrig bleibt und diese dann auch ihr Müllpfand nicht mehr zurückbekommen können. Nehmt auch Müllbeutel zurück, die wenn überhaupt halbvoll gefüllt sind, und sorgt damit dafür, dass es nicht plötzlich Streit gibt, wer jetzt eigentlich welchen Müll vom Campingplatz aufsammeln darf.

Trotz allen Streits um den Müll, stand schon eine halbe Stunde vorher eine lange Menschenschlange beim Frühstück an. Zusätzlich zum obligatorischen Rührei (wahlweise mit oder ohne Speck), verteilte einer der Getränkestände auch noch Wassermelone an die hungrigen Besucher. Einen herzlichen Dank dafür!

Die erste Band an diesem Tag war für mich das zweite Highlight, neben Hoffmaestro am Vortag.
Die sympathischen Jungs von City Light Thief schienen tatsächlich überrascht zu sein, vor etwa 300 Leuten spielen zu dürfen, hatten sie doch eher mit 30 gerechnet. Wenn überhaupt.
Die Band präsentierte dem Publikum ein energiegeladenes Set und Sänger Benni lies es sich nicht nehmen, allen Anwesenden dafür zu danken, dass sie überhaupt da sind, und dem Veranstalter, dass sie hier spielen dürfen. Leider war nach etwa 30 Minuten auch schon wieder Schluss, dennoch war es schön zu sehen, dass die Band auch vor einem etwas größeren Publikum mit ihrem Post-Hardcore zu überzeugen weiß.

Kurz darauf stand der Singer-Songwriter Patrick Richardt auf der Bühne. Sein entspannter Acoustic-Pop klang definitiv nicht schlecht, war aber einfach nicht ganz mein Fall. Viel interessanter war dagegen eine Gruppe von etwa fünf Personen im Publikum, die mit Rosen warfen und mit „Prima“ oder „Spiel den selben Song nochmal“ Schildern wedelten.

Nach Patrick Richard folgten fürs erste keine interessanten Bands mehr und nach einer kleinen Pause auf dem Campingplatz ging es am Mittag ein letztes Mal vor die Bühne.
Denn jetzt waren die Briten von Sonic Boom Six an der Reihe.
Die Band mischt vermischt jeden erdenklichen Musikstil, und das Ergebnis ist tatsächlich faszinierend. Faszinieren war auch der Fünf-Mann (und Frau!) Circlepit, der sich irgendwann auf Wunsch der Sängerin bildete. Hoffentlich gibt’s da auch bald ein Video von, immerhin stand ein Kameramann die ganze Zeit mittendrin.
Mich persönlich hat die Band tatsächlich überzeugen können, auch wenn die Stimme der Sängerin auf Dauer tatsächlich ziemlich anstrengend sein kann.

Mit Sonic Boom Six war dann leider auch schon Schluss.
Zu mindestens für mich, für die Mehrheit der Besucher ging es noch einige Stunden lang weiter.
Selber erlebt habe ich es zwar nicht, aber ich habe mir sagen lassen, dass der Auftritt der Donots absolute Spitzenklasse war.

Fazit: Das Eier Mit Speck ist ein fantastisches, familiäres Festival mit genau so fantastischen Bands. Das war garantiert nicht mein letzte Besuch! Wir sehen uns im nächsten Jahr wieder, versprochen!