Das Pell-Mell Festival kannte ich zuvor nur mal so vom Hören und Sagen, hatte ich so noch nicht die Zeit und Muße das Pell-Mell zu besuchen. Umso schöner, dass es sich in diesem Jahr dann doch ergeben hat. Es gab zahlreiche tolle Highlights für mich – zum einem durfte ich das 20 – jährige Jubiläum erleben und zum anderen gab es neben den Bekannteren und auch größeren Acts für mich auch wieder neue Bands zum Kennenlernen. Ohnehin denke ich, dass für jeden der Besucher etwas dabei gewesen sein durfte – von Punk, Hardcore, Metalcore, Trancecore bis hin zu SKA und eben auch Liedermachern war es eine bunte und abwechslungsreiche Musikdarbietung, die Spaß gemacht hat. So vielfältig wie das Line-up waren auch die BesucherInnen des Festivals – von Alt bis hin zu gerade geschlüpft war alles vertreten und gab dem Festival somit das Feeling eines Familientreffens, unabhängig davon ob biologische Familie oder nicht. Auch kulinarisch gab es eine gute Auswahl an Speisen und Getränken, die für jeden Geschmack etwas zu bieten hatte. Mein Highlight hierbei – die Vielfalt an veganen Alternativen, die abseits von Falafel und Curry waren: Burger, Fritten, Bowls und Döner, sowie Flammkuchen. Abgesehen von Essen und Getränken lud das Infield zum Merch Bummel ein und gab einem sogar die Möglichkeit ein Tattoo zu ergattern. War es dann doch mal etwas viel mit laufen, bummeln und stehen, so gab es gemütliche Sitzgelegenheiten wie auch die klassische Bierbankgarnitur, die zum ausruhen und verweilen diente – ohne dabei die Bands auf der Mainstage missen zu müssen. Ein weiterer Pluspunkt – die Wartezeiten an den Ständen (Essen, Getränke und Bons) sowie an den Sanitäranlagen – überraschend kurz.
Das Festival umfasste zwei Tage, ich konnte lediglich nur den Samstag mitnehmen, was aber der Stimmung keinen Abbruch getan hat. Meine musikalischen Highlights waren Monsters of Liedermaching, Rantanplan, Hämatom, VMZT, Destination Anywhere, Stesy sowie Canibal.
Beginnend mit Stesy wurde der Abend für mich von Mal zu Mal gesteigert. Stesy erinnerten mich stark an Electric Callboy, nur eben in etwas „kleiner“, aber nicht weniger gut und sympathisch. Die Interaktion mit dem Publikum war super schön anzusehen, diverse Utensilien wie Einhornschwimmring, Wasserbälle und Papiergeldscheine wie auch Seifenblasen durften da natürlich nicht fehlen. Ebenso begab sich Sänger Chris ins Publikum um den Circlepit anzuheizen und meistere dies mit Bravour. Aber damit war die Party noch nicht ganz auf dem Höhepunkt, denn es gab für die Bierfreunde unter den Musikfans ebenfalls vom „Richter Hold“ höchstpersönlich den Bierbeschluss via Richterhammer.
Nach der feuchtfröhlichen Feierrunde bei Stesy sorgten die Monsters auf Liedermaching auf jeden Fall für etwas Ruhe, aber nicht weniger Stimmung – wie gewohnt sorgte die Band für Lacher, animierten zum Mitsingen und ließen es sich auch unter keinen Umständen nehmen charmant Kritik über bestehende Missstände in der Politik zu üben.
Zu Rantanplan brauche ich glaube ich nicht viel schreiben – diese Band begleitet mich schon fast mein ganzes Leben lang und ist für mich einfach eine absolut tolle Liveband, die es versteht ihr Publikum abzuholen und eine wunderbare Zeit zu bieten, wenngleich es auch mal ernste oder traurige Themen sind, die angesprochen werden – das Publikum versteht, fühlt mit und es gibt einem immer das Gefühl, dass man nicht alleine mit seinem Unverständnis für die Missstände auf dieser Welt ist.
Eine mir völlig unbekannte Band war VMZT. VMZT kommen aus Mainz und wurde 1994 gegründet. Gab es zu Beginn etwas Schwierigkeiten mit Technik und Sound, so legte VMZT dann aber direkt mit wunderbaren Punkrocksound los und holten nicht nur mich dabei ab. Das Publikum verfiel schnell in Tanzlaune und Pogo und so vergingen die knapp 45 Minuten Spielzeit wie im Flug – würde mal sagen, ihr habt nen neuen Fan dazu gewonnen 😊
Canibal ist nicht ganz mein Musikgenre, dennoch habe ich sie mir angesehen, da die Band gerade zu Beginn meiner Festival Abenteuer häufig präsent war. So fühlte ich mich vor allem bei den älteren Songs an die 22 Jahre zurückversetzt, als mein 14-Jähriges Ich gerade in die Festivalsaison startete und Bands zum ersten Mal live, echt und ganz in Farbe sah. Was damals für mich ohne Führerschein, Internet und aus einem kleinen Ort in Bayern stammend zuvor nicht häufig vorkam. Deshalb auch hier ein kleines Dankeschön, dass ich mich wieder um 22 Jahre jünger fühlen durfte und in schönen Erinnerungen schwelgen konnte.
Destination Anywhere – guter Sound, sympathische Truppe und Musik die einen zum tanzen einlädt. Mehr muss ich nicht sagen – der Sound erinnerte mich an die frühen 2000er, die bei mir vor allem durch den etwas weicheren Skatepunk geprägt war – dazu noch ein paar Blasinstrumente und ihr habt die Beschreibung für Destination Anywhere. Mein Highlight war der Bierdosenmann, der gut ausgerüstet als Bierdose verkleidet ins Publikum durfte um dort – na klar – Bierdosen zu verteilen. Begleitet wurde das Ganze natürlich durch den Song „das schlimmste ist, wenn das Bier alle ist“, was das Publikum zum Lachen, mitsingen und feiern bewegte. Ich meine, dass die Ü30 Party spätestens bei diesem Song wieder in die Jugendzeit zurückreiste.
Den Abschluss auf der Mainstage machte Hämatom – ich schätze dies war der wohl größte und vielleicht auch bekannteste Act am Abend. Den ganzen Tag über konnte man sich die wunderschönen Dinge am Merchstand der Band angucken und aneignen, was vor allem bei Einhorn Fans die Herzen höherschlagen ließ. Allein die Präsenz der Fanartikel lies mich gespannt auf den Auftritt der Band sein. Nachdem Destination Anywhere ihr Set beendet hatten ging es für mich zur Mainstage und ich staunte nicht schlecht – denn ein toller Vorhang mit der Aufschrift „Gagamania“ und eines darauf abgelichteten Klinikflügels, hielt das komplette Bühnenbild zunächst versteckt. Hin und wieder sah man die Crew, gekleidet in Pfleger Kitteln über die Bühne huschen. Ich war gespannt was das Set wohl hergeben wird und wurde definitiv nicht enttäuscht. Ich halte mich kurz, es gab was zu lachen, es gab was zum Mitsingen, es gab Feuer und jede Menge Glücksgefühle. Mein Tipp – wenn ihr die Möglichkeit habt Hämatom zu sehen -geht hin, seht sie euch an und lasst euch entertainen!

Mein Fazit, der Festivaltag hat sich absolut gelohnt und macht Lust auf mehr Festivals der kleinen Art. Das Pell-Mell Festival findet im Jahr 2027 leider nicht statt, die Veranstalter verkündeten in einem ruhigen Moment, dass sie zunächst eine kreative Pause einlegen möchten. Dennoch, so hieß es, wird es das Pell-Mell Festival wieder geben, auch wenn der Zeitraum wie auch die Umsetzung noch nicht genau feststehen. Ich auf jeden Fall hoffe auf eine Fortsetzung und freue mich auf 2028 :P.
Bilder gibt es Hier.




